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Auch wenn wir uns wiederholen: Es
ist mal wieder an der Zeit, dem Nachwuchs eine Chance zu geben, denn ab
Mitte September ist stressbedingt Schluss damit. Schon jetzt türmen sich
die Bemusterungen der kommenden Monate unheilsschwer in der Redaktion
auf. Es ist wirklich jedes Jahr dasselbe perverse Schauspiel. In
kürzester Zeit werfen die großen Labels alles, was Rang und Namen hat,
auf den Markt, um ein möglichst großes Stück vom Weihnachtskuchen
abzubekommen. Für 2004 bedeutet dies, dass noch ca. 100 Alben von
sogenannten Top-Acts beworben und verkauft werden wollen. So ein
Wahnsinn!
Bevor der Horror beginnt, wollen wir uns mit der Mainzer Band April Moon
beschäftigen, die bereits seit ein paar Jahren als Live-Band unterwegs
ist und in diesem Jahr ihr Debütalbum „Suddenly September“
herausgebracht hat. Die acht Personen starke Gruppe steht für American
Folk Rock der sanfteren Art – zumindest auf Platte – und für eine
vielfältige Instrumentierung. Als Hintergrundinfo sollte man noch
wissen, dass sich die Musiker Uwe Juras (Vocals), Laura Werner
(Violine), Daniel Franz (Akustikgitarre), Sebastian Ritter (Bass), Jörn
Mildner (Drums), Oliver Lanka (Akkordeon), Mike Brühl (Keyboards) und
Jens König (E-Gitarre) bereits aus verschiedenen Bands aus dem Mainzer
Raum kannten, ehe sie sich im Frühjahr zu dem Projekt April Moon
zusammenschlossen. Hier ist offenbar zusammengewachsen, was
zusammenwachsen sollte.
April Moon legen ein Debütalbum vor, das mit zehn Eigenkompositionen und
zwei Coversongs daherkommt: Suzanne Vegas Klassiker „Luka“ und Nik
Kershaws „Wouldn't it be good“, wobei „Luka“ hervorragend in den
Bandsound integriert wurde, während „Wouldn't it be good“ als „Bass-T
Remix” ziemlich aus der Rolle fällt und nicht dem Standard des Albums
entspricht. Ebenso verzichtbar wäre das instrumentale Schlussstück „Shalah
Doobah“ gewesen. Doch damit sind die Schwachstellen von „Suddenly
September“ auch schon eingegrenzt. Was bleibt und wirklich zählt, ist
eine professionelle Independent-Produktion mit druckvollem Sound und
eingängigen Melodien. So überzeugt das Titelstück „Suddenly September“
als ausgereifter Folk-Pop mit Ohrwurmqualitäten und überragender
Instrumentierung. Diesen Track sollten sich die Americana Spezialisten
von Glitterhouse Records unbedingt mal anhören!
Ein weiterer Pluspunkt des Albums: Durch wechselnde Stimmungen wirken
die Songs nie langweilig oder vorhersehbar. Ob verträumte Melancholie („Pray
to the moon“), sonnige Sommerstimmung im Hothouse-Flowers-Stil („Won’t
go), düstere Mollklänge, die in ihrer Struktur an die späten Crash Test
Dummies gemahnen („Treat you better“) oder an Everlast erinnernde
Düster-Romantik („Emotional high“) - April Moon machen sich sehr gut in
den Fußspuren der großen Vorbilder und legen ein gelungenes erstes Album
auf die Bretter. Nur einmal geht die Band etwas zu weit, indem sie sich
bei „One of a kind“ mehr als deutlich an den Kollegen von Fury In The
Slaughterhouse orientiert. Wer den Song „Radio Orchid“ von den
Hannoveranern kennt, wird merken, dass April Moon hier einige Noten
einfach übernommen haben. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Wer Lust auf handgemachte, unverbrauchte Folk Musik hat, sollte sich „Suddenly
September“ auf der Band-Homepage bestellen oder auf einem der nächste
Konzerte abgreifen. Es lohnt sich!
Anspieltipps:
Emotional high
One of a kind
Treat you better
Pray to the moon
Suddenly september
April Moon: Starker Nachwuchs aus Mainz! Diskutiert über ihr Debütalbum
im Forum!
Link zum Original-Review
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